spot_img
23.7 C
London
HomeUnternehmenNeue Chancen für den deutsch-indischen Handel

Neue Chancen für den deutsch-indischen Handel

Herr Halusa, der deutsch-indische Handel ist 2021 trotz Pandemie um fast 20 Prozent gestiegen. Was ist der Grund für dieses robuste Wachstum?

Das Gesamtvolumen des indischen Außenhandels stieg 2021 deutlich an, der Warenhandel stieg sogar um über 50 Prozent. Die Exporte wuchsen stärker als die Importe, sodass der bilaterale Handel mit Deutschland nur unterdurchschnittlich profitierte. Das Wachstum der Importe aus Indien übertraf das Wachstum der Exporte nach Indien etwas. Wir sehen hier noch großes Potenzial und hoffen, dass die beiden Länder ihre Entscheidung im Mai 2021 umsetzen, die Verhandlungen über ein Handels- und Investitionsabkommen zwischen Indien und der EU wieder aufzunehmen.

Welche Waren werden hauptsächlich gehandelt?

Deutschland liefert Maschinen, chemische Produkte, Flugzeuge und Elektronik. Die Exporte von Straßenfahrzeugen und Fahrzeugkomponenten verzeichneten im Jahr 2021 das stärkste Wachstum. Die wichtigsten Exporte Indiens nach Deutschland sind chemische Produkte, einschließlich Arzneimittel, sowie Kleidung und Maschinen. Am schnellsten stiegen die Eisen- und Stahlexporte.

Wie hoch sind absolut die Importe und Exporte und wie hoch die Direktinvestitionen?

Laut Destatis und Germany Trade and Invest (GTAI) exportierte Deutschland im Jahr 2021 Waren und Dienstleistungen im Wert von 14,7 Milliarden US-Dollar nach Indien. Die Importe aus Indien beliefen sich auf 12,9 Milliarden US-Dollar. Damit belegt Deutschland den sechsten Platz auf der Liste der indischen Handelspartner. Bei den deutschen Absatzmärkten liegt Indien auf Platz 23, bei den Importen auf Platz 26. Bei den Direktinvestitionen lag Deutschland mit Investitionen von 2000 bis 2020 in Indien mit rund 13,5 Milliarden US-Dollar an siebter Stelle. Indien liegt mit seinen Direktinvestitionen in Deutschland auf Platz 29.

In welchen Bereichen sehen Sie Chancen für den Handel zwischen Deutschland und Indien?

Die indische Regierung hat zahlreiche „produktionsgebundene Anreize“ angekündigt, die Arbeitsplätze in der indischen Industrie schaffen sollen. Darin sehen wir gute Geschäftschancen für deutsche Unternehmen. Weitere Bereiche sind Infrastruktur und erneuerbare Energien. Dies wird zu einer Verschiebung der Importmengen führen, die heute von Energieimporten dominiert werden. Eine weitere Veränderung, von der deutsche Unternehmen profitieren könnten, ist das erklärte Ziel der indischen Regierung, ihre Geschäftsbeziehungen zu China, dem derzeit wichtigsten Handelspartner Indiens, zu reduzieren.

Wie verändert sich das Geschäft durch die Pandemie, die neuen Indo-Pazifik-Richtlinien der Bundesregierung und den russischen Angriff auf die Ukraine?

Die Verabschiedung der Indo-Pazifik-Richtlinien durch die Bundesregierung wurde in Indien sehr begrüßt. Allerdings haben sie bisher kaum praktische Auswirkungen gehabt. Das liegt unter anderem an der Pandemie, die vieles erschwert hat. Die deutsch-indischen Regierungskonsultationen finden Anfang Mai in Berlin statt. Wir erwarten, dass diese einen gewissen Schub geben. Indien ist einer der wichtigsten Partner Deutschlands in der Region, und wir gehen davon aus, dass diese Partnerschaft weiter an Bedeutung gewinnen wird. Wir brauchen einen strategischen Dialog, gerade angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine.

spot_img

latest articles

explore more